
Am 29. Oktober kommen weltweit Menschen zusammen, um die Namen derjenigen zu verlesen, die in der Sowjetunion politisch verfolgt, in Straflager verschleppt oder ermordet wurden.Die Gedenkaktion „Rückkehr der Namen“ wurde 2007 von der Menschenrechtsorganisation Memorial ins Leben gerufen, um an die Opfer des sowjetischen Staatsterrors zu erinnern, insbesondere an die Menschen, die unter Stalin verfolgt und ermordet wurden. Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einem Namen und einer eigenen Geschichte.Wir laden euch ein, gemeinsam mit uns in NRW an die Opfer zu erinnern und ein Zeichen der Solidarität mit den heutigen politischen Gefangenen zu setzen.
In diesem Jahr findet die Aktion „Rückkehr der Namen“ in drei Städten Nordrhein-Westfalens statt:
Düsseldorf, 19:30 Uhr
Schadowplatz, 40212 Düsseldorf
Köln, 19:30 Uhr
Kardinal-Höffner-Platz, 50667 Köln
Bielefeld, 17:00 Uhr
Altes Rathaus Bielefeld, Niederwall 27, 33602 Bielefeld
Warum der 29. und 30. Oktober? Ein kurzer Blick in die Geschichte:
• 1974: Die Dissidenten Kronid Ljubarski und Alexej Murschenko beschlossen während ihrer Haft, den 30. Oktober zum Tag der politischen Gefangenen in der Sowjetunion auszurufen. Sie organisierten einen großen Hungerstreik, an dem sich Gefangene aus den politischen Straflagern in Mordwinien und der Region Perm sowie aus dem Gefängnis in Wladimir beteiligten. Am selben Tag fand in Moskau in der Wohnung von Andrej Sacharow eine Pressekonferenz für ausländische Journalisten über die Lage der politischen Gefangenen in der Sowjetunion statt.
• 1974 bis in die 1980er-Jahre: Jedes Jahr am 30. Oktober traten politische Gefangene in den Hungerstreik. Der Tag wurde zu einem wichtigen Symbol des Widerstands in den sowjetischen Straflagern und der Solidarität mit politischen Gefangenen und Dissidenten.
• 1989: Aktivisten der Menschenrechtsorganisation Memorial bildeten eine Menschenkette rund um das KGB-Gebäude an der Lubjanka in Moskau. Es war eine der ersten öffentlichen Gedenkaktionen für die Opfer des staatlichen Terrors.• 1990: Auf dem Lubjanka-Platz wurde der Solowezki-Gedenkstein aufgestellt, das erste Denkmal des Landes für die Opfer des sowjetischen Terrors.
• 1991: Der Oberste Rat der Russischen Sowjetrepublik erklärte den 30. Oktober offiziell zum Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen.
• 2007: Zum 70. Jahrestag des Beginns des Großen Terrors im Jahr 1937, einer Zeit massenhafter Erschießungen in der Sowjetunion, entstand in Moskau die Aktion „Rückkehr der Namen“. Für das öffentliche Verlesen der Namen der Ermordeten wurde der 29. Oktober gewählt, der Vorabend des Gedenktags für die Opfer politischer Repressionen.
Jahrelang kämpften sowjetische Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten dafür, dass die Opfer politischer Verfolgung nicht in Vergessenheit geraten. Noch vor dem Ende der Sowjetunion erreichten sie, dass offiziell an die Opfer erinnert wurde. Lasst uns ihr Engagement fortsetzen!
Heute, da Menschen wieder politisch verfolgt und verhaftet werden, weil sie sich gegen den Krieg aussprechen, wird das Erinnern erneut zu einer Form des Widerstands. Wir gedenken nicht nur der Opfer der Vergangenheit, sondern zeigen auch unsere Solidarität mit den Menschen, die heute hinter Gittern sitzen.