Rückkehr der Namen

Am 29. Oktober haben wir eine für uns sehr wichtige Aktion durchgeführt. An diesem Tag gedachten wir der Opfer von Diktatur und Terror. Leider blickten wir dabei nicht nur in die ferne sowjetische Vergangenheit: Wir sehen, wie sich Geschichte in der Gegenwart wiederholt. Ein neuer Diktator hat ein neues Regime geschaffen, das sich durchaus mit dem stalinistischen vergleichen lässt.

Staatliche Gewalt und Terror gehörten zu den Grundpfeilern der sowjetisch-kommunistischen Ideologie. In den 70 Jahren der Sowjetherrschaft wurden nach Angaben von Memorial rund 11,5 Millionen Menschen Opfer politischer Repressionen.

Leider wird die Politik von Repression und Terror im heutigen Putin-Russland fortgesetzt. Derzeit werden im Land mehr als 600 Menschen aus politischen Gründen verfolgt. Die staatliche Gewalt hat inzwischen die Grenzen überschritten und ist als Krieg über den souveränen Staat Ukraine hereingebrochen.

Der Versuch einer sogenannten „Aufarbeitung der Vergangenheit“, also der Versuch zu verstehen, was in der Sowjetunion tatsächlich geschah, ist leider gescheitert. Stalin wird erneut zum „Vater der Völker“ und „Bezwinger des Faschismus“ stilisiert. Über die Opfer des Regimes wird geschwiegen, das Ausmaß des Großen Terrors und der späteren Repressionen wird heruntergespielt, und diejenigen, die das tatsächliche Bild zeigen, sitzen im Gefängnis – wie beispielsweise Juri Dmitrijew.

Die Aktion „Rückkehr der Namen“ wird von der internationalen Gesellschaft „Memorial“ seit bereits 15 Jahren jährlich veranstaltet. In diesem Jahr wurde die Aktion in Moskau von den Behörden nicht genehmigt, und „Memorial“ wurde am 28. Februar durch eine Entscheidung eines russischen Gerichts aufgelöst.

Doch Erinnerung lässt sich nicht auflösen. Gerade deshalb ist es so wichtig, jetzt weiter darüber zu sprechen.