Protestkunst der Kunstgruppe Prometheus beim Art Weekend @Freies Russland NRW

Das dreitägige Art Weekend, das am vergangenen Wochenende stattfand, umfasste nicht nur eine Ausstellung von Kunstwerken, die die russische Regierung kritisieren, sondern auch eine Filmvorführung, einen Vortrag, DJ-Sets, Networking sowie weitere informelle Aktivitäten. Zusammen bildete dies ein neues Format öffentlicher Aktivitäten von Freies Russland NRW.

Ein Dutzend grotesker, zugleich äußerst informativer Zeichnungen des Künstlers und Aktivisten Pavel Krisevich, die während seiner dreijährigen Haft im Gefängnis entstanden sind, bilden einen Teil der Serie „Dead Butyrka“. Weniger durch ihre Motive als vielmehr durch ihr Format und die Umstände ihrer Entstehung erinnern diese schnellen Skizzen an die Lagerzeichnungen sowjetischer Nonkonformisten wie Ülo Sooster, Boris Sveshnikov und Lev Kropivnitsky. Sie alle waren durch die stalinistischen Lager gegangen, in denen künstlerische Tätigkeit tabu war. Alles wiederholt sich. Davon zeugen auch Krisevichs Bleistiftzeichnungen mit braunen Einschlüssen (geronnenes Blut), ebenso wie die „Randnotizen“ von Daria Apakhonchich („Hallo, Justizministerium, weißt du, man hat mich zur Fahndung ausgeschrieben“), geschrieben auf Formularen für Berichte sogenannter „ausländischer Agenten“ an eben dieses Ministerium, sowie die Street-Art von Slava PTRK (in der Ausstellung in Form von Fotografien seiner Arbeiten). All dies sind lebendige Zeugnisse – dokumentiert entweder innerhalb Russlands, dann meist anonymisiert, oder außerhalb des Landes.

Als materielle Beweise fungieren Fotografien, konzeptuelle Objekte, Installationen sowie Porträts von Menschen, die sich noch immer hinter Gittern befinden, wie etwa Arseny Turbin. In der Ausstellung war ein beklemmendes Pastellporträt von ihm zu sehen, geschaffen von Vladlena Sandu. Turbin, der vom Menschenrechtszentrum Memorial als politischer Gefangener anerkannt wurde, war gerade einmal 15 Jahre alt, als er zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde – wegen angeblicher Beteiligung an einer terroristischen Organisation: Er hatte Flugblätter verteilt, in denen Putin kritisiert wurde. Heute ist Arseny 17 Jahre alt. Am 25. Februar wurde bekannt, dass ein weiteres Strafverfahren gegen ihn vorbereitet wird und dass er in eine Strafzelle gebracht wurde, wo er seit mehreren Tagen isoliert gehalten wird, ohne Kontakt zu seinen Angehörigen.

Am letzten Tag des Art Weekends nahm dieses Porträt zusammen mit weiteren Arbeiten an einer Wohltätigkeitsauktion zugunsten der Ukraine teil. Die Erlöse werden dem Diaspora-Projekt Energy for Life zugutekommen, das Energiespeicher für zivile Einrichtungen beschafft.

Alle ausgestellten Werke wurden in den vergangenen drei Jahren von der unabhängigen Kunstplattform Prometheus zusammengetragen. Sie stammen aus insgesamt fünf Projekten: zwei Ausstellungen Artists Against the Kremlin, die 2024 und 2025 in Amsterdam in Zusammenarbeit mit der unabhängigen Zeitung The Moscow Times stattfanden, sowie aus den Projekten Virus, Arrival und Through the Bars. Darüber hinaus wurde in Düsseldorf vollständig das Projekt Make Loaf Not War präsentiert, bei dem neben neuen Arbeiten auch ein Werk eines Klassikers zu sehen war – eines der „Brote“ von Anatoly Osmolovsky aus dem Jahr 2007, das der Galerist Marat Gelman für diese Ausstellung zur Verfügung stellte.

Ein weiteres zentrales Ereignis des Art Weekends – neben der Ausstellung und dem Vortrag ihres Kurators Vladimir Shalamov „100 Jahre Protestkunst in Russland“ – war die Vorführung des Dokumentarfilms Mr. Nobody Against Putin. Der viel diskutierte Film, der bereits mit dem britischen Filmpreis BAFTA ausgezeichnet wurde und als Oscar-Kandidat gilt, ist ein weiteres Zeugnis der besorgniserregenden Entwicklungen im heutigen Russland. Nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine begann Pavel Talankin, Videograf und pädagogischer Organisator an der Schule Nr. 1 in der Uralstadt Karabash (Region Tscheljabinsk), systematisch Videoaufnahmen zu sammeln. Zu seinen Aufgaben gehörte die Dokumentation offizieller Schulveranstaltungen, Feiern, Appelle und Unterrichtseinheiten. Diese Aufnahmen zeigen den zunehmenden Einfluss staatlicher Propaganda im Schulalltag und deren Auswirkungen auf Lehrer und Kinder.

Gemeinsam mit dem amerikanischen Produzenten und Co-Regisseur des Films David Borenstein entwickelte Talankin das Konzept des Films und konnte das aufgenommene Material im Sommer 2024 ins Ausland bringen. Bis Januar des folgenden Jahres wurde der Film fertiggestellt und beim amerikanischen Sundance Film Festival uraufgeführt, wo er eine Sonderauszeichnung der Jury erhielt.

Im Rahmen des Art Weekends fanden außerdem ein Monotypie-Workshop der Künstlerin Natalia Radunts, ein DJ-Set von Stan Is Love, eine Kompott Party Köln sowie die Performance The Party of the Dead statt.

Die während der Ausstellung gesammelten Spenden (der endgültige Betrag wird noch ermittelt) werden der Kampagne „Energy for Life“ zugutekommen.