Am Puschkin-Denkmal in Düsseldorf ist ein Konflikt zwischen Menschen entstanden, die an den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny erinnern wollen, und Unterstützern des Putin-Regimes.
Seit mehreren Monaten versuchen Antikriegsaktivistinnen und -aktivisten dort ein Nawalny-Mahnmal zu erhalten. Doch ihre Arbeit wird immer wieder zunichtegemacht: Unbekannte zerstören die Gedenkzeichen.
„Ich hatte mich nie an politischen Aktionen beteiligt, aber an diesem Tag wollte ich Blumen zum Gedenken an Alexej niederlegen“, erzählt Anastasia – Name geändert –, die Initiatorin des Gedenkortes am Puschkin-Denkmal.
Sie wählte den Platz nahe der Moskauer Straße, die einst nach der Städtepartnerschaft mit Moskau benannt wurde – einer Partnerschaft, die durch den Krieg gegen die Ukraine zerstört wurde.
Die roten Rosen und das Foto Nawalnys in einem roten Rahmen, die Anastasia mitgebracht hatte, inspirierten andere. Menschen begannen, Kerzen, Plakate und Zeichen der Trauer abzulegen.
„Ich habe mich sehr gefreut“, erzählt Anastasia, „als Freies Russland NRW am 40. Tag nach Alexejs Tod den Gedenkort vom Rathausplatz zum Puschkin-Denkmal verlegte. Dort kamen Blumen, Kerzen, eine Bibel und andere Zeichen hinzu, die seine Menschlichkeit und seinen Glauben trotz der schrecklichen Bedingungen betonten.“
Doch der Gedenkort wurde zum Ziel von Vandalen. Fotos, Plakate, Blumen und Kerzen verschwinden oft noch am selben Tag. Steine mit der Aufschrift „Nawalny“ werden weggetragen, übermalt oder versteckt; Kreideaufschriften werden entfernt und durch „Puschkin“ ersetzt. Selbst Gedichte Alexander Puschkins wie „An Tschaadajew“, die Aktivisten als Symbol des Freiheitskampfes mitbringen, werden zerstört.
„Menschen wie Nawalny schützen das Ansehen der russischen Kultur, weil sie zeigen, dass nicht alle Russinnen und Russen den Krieg rechtfertigen“, sagt Anastasia. „Viele kämpfen gegen das Regime und riskieren dabei ihr Leben und ihre Freiheit. Sie brauchen dringend Unterstützung.“
Drei Tage nach Nawalnys Tod entstand auch in Köln hinter dem Hauptbahnhof ein ähnlicher Gedenkort. Wie in anderen deutschen Städten brachten Menschen Blumen, Kerzen und Botschaften der Unterstützung und erwiesen einem Mann Respekt, der sein Leben dem Kampf für Wahrheit und Freiheit gewidmet hatte.
Später wurde der Gedenkort in den Park der Menschenrechte verlegt – einen symbolischen Ort, der dem Schutz von Rechten und Freiheiten gewidmet ist. Dort steht bereits ein Denkmal für iranische Freiheitskämpfer, was dem Ort zusätzliche Bedeutung verleiht.
„Hier ist alles anders“, erzählt die ehrenamtliche Helferin Alina – Name geändert –, die sich um den Gedenkort kümmert. „Die Menschen aus der Umgebung und Ukrainerinnen und Ukrainer zeigen Verständnis. Manche bringen sogar Blumen.“
„Die Erinnerung an Alexej Nawalny zu bewahren bedeutet, die Hoffnung auf ein freies und gerechtes Russland zu bewahren“, sagt Alina.
Sein Tod in einem Gefängnis nördlich des Polarkreises wurde zum Symbol für die Grausamkeit und Straflosigkeit eines Regimes, das bereit ist, jeden zu vernichten, der nach Wahrheit strebt. Der Gedenkort ist zu einem stillen Ort geworden, an dem Menschen trauern und einem Mann Respekt erweisen können, der sein Leben für seine Überzeugungen geopfert hat.
Nawalny war einer der wenigen, die das System aus Korruption und Repression unter Putin offen herausforderten. Seine Stimme wurde zur Stimme von Millionen Menschen, die von Veränderung träumen.
Die Erinnerung an Nawalny ist nicht nur für diejenigen wichtig, die gegen die Diktatur kämpfen, sondern für die ganze Welt. Sie erinnert an den hohen Preis von Freiheit und Gerechtigkeit und an die Notwendigkeit, diejenigen zu unterstützen, die diesen Kampf fortsetzen.
„Wir sind stolz auf unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die die zerstörten Gedenkzeichen jeden Tag wiederherstellen und sich trotz der ständigen Vandalenakte um den Gedenkort kümmern“, sagt Juri Nikitin, Vorsitzender von Freies Russland NRW. „Ein besonderer Dank gilt der Stadt Düsseldorf dafür, dass sie erlaubt hat, den provisorischen Gedenkort im Stadtzentrum 40 Tage lang nach Alexejs Tod zu erhalten. Diese Zeit war wichtig, um auf seinen Kampf und sein Opfer aufmerksam zu machen. Leider konnte das Mahnmal dort nicht länger bleiben. Wir hoffen, dass es eines Tages gelingt, einen dauerhaften offiziellen Gedenkort zu schaffen, der nicht nur ein Symbol des Kampfes für Wahrheit und Freiheit sein wird, sondern auch daran erinnert, dass Menschen wie Nawalny nicht vergessen werden dürfen.“